Über das Zweifeln…

Dies wird ein langer Post, den manche vielleicht als Gejammer einstufen würden. Ihr müsst ihn natürlich nicht lesen und, er muss euch auch nicht gefallen, doch ich möche euch etwas erzählen. Etwas, das mich beschäftigt.

Wie ihr vielleicht wisst, schreibe ich nun seit rund eineinhalb Jahren auch selber Manuskripte. Das erste Manusskript ist fertig und ich wollte es heute noch korrigieren und vielleicht auch gleich etwas überarbeiten. Das zweite Manusskript, der Fortsetzungsband des ersten, ist gerade im Werden, noch sind es keine zehntausend Wörter. Anfangs habe ich ganz unbeschwert für mich selbst vor mich hin geschrieben. Doch irgendwann wurden es immer mehr Wörter, Seiten, Kapitel. Irgendwann waren meine Protagonisten nicht einfach nur mehr Namen aus einer Geschcihte, in meinen Gedanken sind sie real geworden, haben genauso Gefühle und Charaktereigenschaften entwickelt wie du und ich, und nach und nach haben sie sich, ob gut oder böse, in mein Herz geschlichen. Und so wusste ich irgendwann, dass mehr Leute diese Charaktere und deren Erlebnisse kennenlernen sollten. Ich wollte diese Geschichte mit der Welt teilen. Und so habe ich den Entschluss gefasst, dieses Manuskript innerhalb eines Jahres neben dem Studium fertig zuschreiben und dafür ein schönes Zuhause in einem Verlag zu finden. Versuchen, das Manuskript als Self-Publisher zu veröffentlichen, habe ich mir von Anfang an nicht zugetraut und tue es auch bis heute nicht. Jedenfalls habe ich eifrig weitergeschrieben, habe mit meinen Protagonisten gelacht, geweint und geliebt. Habe Gefühle aus meiner Vergangenheit ausgegraben, die mich am ganzen Körper zitternd vorm Laptop sitzen ließen, während meine Finger eine Szene nach der anderen getippt habe.

Mal war es wie im Rausch und ich musste mich zwingen, aufzuhören und weiterzulernen, aus dem Zug auszusteigen, zur Vorlesung zu gehen. Und Mal musste ich den inneren Schweinehund erstmal überwinden, damit ich überhaupt den Laptop oder mein Notizbuch zur Hand genommen habe. Doch ungeachtet dessen, hat sich nach und nach ein Gefühl immer weiter in die Ecken meiner Gedanken gedrängt. Es waren die Zweifel und sind es noch.

Bitte versteht das nicht falsch. Ich liebe meine Protagonisten, ich liebe ihre Art und ich liebe mein erstes Manuskript. Und fast noch mehr, liebe ich den Beginn des zweiten, den ich bislang geschrieben habe. Ich bin unglaublich stolz auf meine Arbeit, ohne mir zu viel darauf einbilden zu wollen. Doch ich bin einfach stolz darauf, mir ein Ziel gesetzt und dieses erreicht zu haben. Außerdem habe ich eine wundervolle Testleserin, die inzwischen zu einer wirklich lieben und guten Freundin für mich geworden ist. doch auch sie hat ein Leben, hat Stress und deshalb natürlich auch nicht immer Zeit für mich. Ich akzeptiere das. Aber ich bin eben auch nur ein Mensch. Voller Zweifel.

So stark und überwältigend mein Hochgefühl war, nachdem ich das Wort “Ende” unter das erste Manuskript gesetzt hatte und nachdem mir meine Testleserin immer wieder versichert hat, dass sie die Geshcichte toll findet und an mich und das Buch glaubt, so zerschmetternd sind immer wieder meine Zweifel.

Als ich fertig war, habe ich mich auf die Verlagssuche begeben. Manche hatte ich schon lange liebevoll beäugelt und lese viele ihrer Bücher und tue das mit großem Vergnügen, manche Verlage habe ich so ganz neu kennengelernt. Doch schon wurde mein Hochgefühl etwas eingedämpft, als ich nach und nach bei immer mehr Verlagen das Wort “Aufnahmestopp” gelesen habe. Ich wusste nicht, ob ich warten sollte, bis sie wieder neue Bewerbungen annahmen, oder ob ich es bei anderen Verlagen probieren sollte, die mir nicht so vertraut sind. Und ich habe mich für das Warten entschieden. Eigentlich kann ich ziemlich geduldig sein. Doch das Abwarten ist gefundenes Fressen für meine Zweifel. Wer Zeit hat, kommt leichter ins Grübeln. Und ich habe gerade ziemlich viel Zeit, haben ja vor Kurzem meine Sommerferien begonnen. Und so sitze ich hier, möchte das erste Manuskript überarbeiten und bin so unsicher, dass ich nicht weiß, ob ich etwas ändern soll, oder alles so lassen soll, wie es ist. Oder ob ich meine Gedanken daran vollkommen beiseite schieben sollte, bis irgendwann eine Email, ein Anruf oder ein Brief eintrudelt, der mein Herz zum Rasen bringt und mich in meinem sonst eigentlich so großem Stolz über mein Werk bestätigt.

Manchmal sind wir Menschen schon komische Wesen. Egal, wie groß unser Stolz und unser Selbstbewusstsein zu sein vermag, von klein auf suchen wir immer wieder nach Bestätigung, nach Lob, nach netten Worten. Es scheint, als würde ein schlechtes Wort, eine Beleidigung, ein Wort der Kritik so viel schwerer wiegen als ein positives, das versucht alles wieder ins Lot zu bringen.

Mir war klar, dass nicht alle Menschen denselben Geschmack haben. Mir war auch klar, dass ich sicher einige Ablehnungen einstecken muss. Warum also sollte mich diese Unsicherheit und das Abwarten das jetzt so fertig machen? Mich kleiner erscheinen lassen, als ich bin? Warum sollte ich mir etwas mies machen lassen, dass mir doch eigentlich so viel Freude bereitet und schon von Beginn an bereitet hat?

Und deshalb werde ich mich jetzt hinsetzen und mir wieder etwas Selbstvertrauen aneignen. Indem ich die vielen lieben Nachrichten und Sprachmemos meiner Testlerin lese oder anhöre. Indem ich einen wundervollen Brief meines Freundes immer und immer wieder lese. Indem ich mir meine “Gute-Laune-Lieder” anhöre. Indem ich mir Zitate von starken Persönlichkeiten ansehe. Ja, vielleicht lese ich mir auch ein paar Seiten aus meinen alten Freundschaftsbüchern durch, in denen mir liebe Menschen so viele schöne Dinge gewünscht haben. Vielleicht schaue ich mir auch ein paar lustige Katzen-Videos an – wer weiß? Aber auf jeden Fall werde ich endlich wieder zulassen, stolz über etwas zu sein, das vielleicht nicht jedem gefallen wird, das aber tief aus meinem Herzen kommt und  immer ein Teil von mir sein wird.

Wir Menschen sind manchmal komische Wesen. Doch egal was kommt, wir sollten uns nie von unseren Zweifeln unterkriegen lassen.