[Rezensionsexemplar] Rezension: “Über alle Grenzen: Anna und Yasin” von Maya Shepherd (Shorter Version)

Infos

Titel: „Über alle Grenzen: Anna und Yasin“

Autorin: Maya Shepherd

Verlag: Sternensand Verlag

Seitenanzahl: 544 Seiten

ISBN:

e-Book: 978-3-906829-46-3

Taschenbuch: 978-3-906829-47-0

Preis:

e-Book: 6,99€

Taschenbuch: 14,95€

Klappentext

„Eine Liebe, die sich über jedes Hindernis hinwegsetzt.

Eine Liebe, die unter die Haut geht.

Eine Liebe, die keine Grenzen kennt.

Wörter, Zahlen und Sätze zieren Annas Körper. Dort, wo niemand sie sieht. Unauslöschbar sind sie in ihre Haut geritzt. Sie bleiben für immer und verschwinden nicht einfach wie ihr Vater, der ihre Mutter für eine Jüngere verlassen hat.

Yasin kommt aus dem Kosovo. Wie viele Flüchtlinge sucht er in Deutschland Schutz, in der Hoffnung auf ein neues, sicheres Leben. Er spricht fließend Deutsch und trotzdem hört ihm niemand zu. Niemand sieht ihn.

Bis er Anna begegnet. Das traurige und verschlossene Mädchen ist der erste Mensch, der ihn als Person und nicht nur als Flüchtling sieht.“

(Quelle: www.sternensand-verlag.ch)

Meine Meinung

Durch den tollen Sternensand Verlag und die Autorin Maya Shepherd selbst bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden. Zuerst war ich jedoch etwas skeptisch, denn das „Thema Flüchtlinge“ wurde und wird sehr viel diskutiert und doch wird es zu dieser Thematik wahrscheinlich nie die eine „richtige“ Meinung geben. Wie die Autorin im Nachwort so schön schreibt: „Jeder ist einzigartig“. Deshalb sollte man einfach nicht verallgemeinern, denn das wird uns nie möglich sein, ohne irgendjemandem Unrecht zu tun. Und das verdeutlicht auch dieses Buch.

Maya zeigt uns mit dieser Geschichte nicht nur Positives, sondern auch die Schattenseite und gleichzeitig war es keine reine Schwarz-Weiß-Malerei von ihr. Ich denke, die Autorin wollte hier gewollt keine Meinung angeben oder Stimmung beim Leser/der Leserin verursachen, nicht einfach die ganze Situation verschönern und unser Mitgefühl erwecken, sondern sie wollte zum Nachdenken anregen. So habe ich es jedenfalls empfunden. Nachdenken über ein Thema vor dem viele – mich eingeschlossen – schon langsam einfach nur mehr die Augen verschließen wollen. Weil es einfacher ist. Weil es zu weniger Diskussionen ohne zufriedenstellendem Ende führt.

Doch Maya Shepherd konnte mich wieder zum Nachdenken und gleichzeitig zum Lesen anregen, indem sie hier keine „Angstmache“ abzieht oder nur Mitgefühl erwecken will, sondern bei diesem Buch handelt sich um eine wunderschöne und gleichzeitig herzzerreißende Liebesgeschichte zweier Jugendlicher, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten und gleichzeitig so viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Die Probleme des Zusammenlebens von „Einheimischen“ und Flüchtlingen, sowie die positiven Aspekte dessen werden in dieser Geschichte nicht einfach direkt angesprochen oder aufgezählt, sondern sind häufig im Kontext zwischen den Zeilen zu finden. Und es geht hier nicht hauptsächlich um Yasin und seine Vergangenheit. Sondern es geht hier auch um Anna, eine 17-jährige, gebürtige Berlinerin, ud um Anna UND Yasin. Annas Geschichte steht für mich aber im Vordergrund. Ja, auch Yasins Geschichte wird von einem auktorialem Erzähler wiedergegeben, das geschieht in separaten Kapiteln. Für mich waren diese Passagen sehr interessant und erschütternd zugleich, jedoch wirkten sie auf mich mehr wie eine Erklärung, damit man mehr über Yasin erfährt, denn sonst würde man seine Geschichte – aus seinen Gesprächen mit Anna – nur sehr schleppend erfahren.

Wie erwähnt, ist für mich Anna die wahre Hauptperson des Buches, also kommen wir zuerst zu ihr:

Anna

Ihre Eltern haben sich scheiden gelassen, ihr Leben, wie sie es bisher gekannt hat, zerbricht von einem Tag auf den anderen in tausend Teile, denn als wäre die Scheidung nicht schon schlimm genug, muss sie nun auch noch in einer neuen Stadt ohne ihre Freunde zurechtkommen. Vielleicht wirkt Manches, was sie tut oder denkt auf einige LeserInnen etwas übertrieben und deshalb nicht zu gut nachvollziehbar. Aber man sollte, finde ich, beim Lesen immer im Hintergrund behalten, dass sie erst 17 Jahr alt ist. In diesem Alter möchte man zwar schon erwachsen stark und selbstständig sein, aber man ist es meistens noch nicht. Annas Leben wird zusätzlich von Angst und Wut bestimmt. Darin gibt es keinen Platz für Vertrauen und Liebe. Wie Maya Shepherd es hin und wieder auch im Buch formuliert hat, ist Yasin Annas Silberstreif am Horizont, der sie nicht gänzliche in ein schwarzes Loch fallen lässt. Ich fand Anna sehr sympathisch und außerdem realistisch gestaltet. Hin und wieder habe ich zwar etwas über Gedanken von ihr seufzen müssen, aber eher im Sinne von Mitfühlen und das man ihr so gerne sagen würde, dass sie auch mal das Gute sehen sollte.

Yasin

Dieser Junge bzw. junge Mann hat in seinem Leben schon unglaublich viel mitgemacht, ich könnte es ihm nicht verdenken, wenn er dadurch den Glauben an die Menschheit verloren hätte. Aber das hat er nicht. Ganz im Gegenteil. Yasin ist ein gutmütiger, friedvolle Mensch, der nur seine Liebsten beschützen und jedem Streit aus dem Weg gehen möchte. Er sieht was er hat und ist damit zufrieden, ohne sich dadurch unglücklich zu machen, indem er sich immer das wünscht was er nicht haben kann. Ihm ist es möglich, die schönen Seiten des Lebens hervorzuheben und die schlimmen nicht zu dicht an sich heranzulassen.

Einteilung/Kapitel

Die einzelnen Kapitel spielen zu unterschiedlichen Zeit an unterschiedlichen Orten. Man kennt sich aber super aus, da unter der Kapitelüberschrift wie bei einem Logbucheintrag das Datum und der Ort angeführt sind. Manche Kapitel erzählen von Yasins Flucht aus dem Kosovo nach Deutschland, andere spielen in der „Gegenwart“ und sind in der Ich-Form aus Annas Sicht geschrieben. So erfährt man besonders viel über Annas familiäres Verhältnis, ihre Gedanken- und Gefühlswelt, sowie ihr Verhalten. Auch lernt man so al LeserIn Yasin das erste Mal kennen.

Schreibstil

Maya Shepherd erzählt Anna und Yasins Geschichte relativ einfach und doch sehr emotional. Ich finde die Wortwahl passt sehr gut zu Annas Alter wäre auch irgendwie befremdlich, wenn sie wie ein 60-Jähriger Uni-Professor reden und denken würde.

Lesefluss/Spannung

Anfangs geht es etwas ruhig dahin, einzig die Passagen über Yasins Flucht sind richtig spannungsgeladen, in den anderen Kapiteln geht es anfangs eher darum, dass man die Personen besser kennenlernt und man Annas Situation verstehen kann. Das Buch wird dann aber von Seite zu Seite fesselnder und ca. ab dem letzten Drittel konnte ich es wirklich kaum mehr aus der Hand legen. Daran waren vor allem die kurzen Kapitelüberschriften Schuld, die dazu geführt haben, dass ich diverse Vermutungen am Anfang des Kapitels angestellt habe und dann unbedingt sofort wissen musste, ob ich recht behalten würde oder nicht.

Sonstiges

Besonders gut hat mir an diesem Buch gefallen, dass zwar Yasin ein „Vorzeige-Asylwerber“ ist, jedoch trotzdem schlimme Vorfälle geschildert werden und man merkt, dass JEDER Mensch individuell ist, egal von wo er/sie kommt. Auch die Nebencharaktere habe sehr viel Schwung in die Geschichte gebracht sowie Potenzial für Auseinandersetzungen, denn nicht jeder ist immer gleicher Meinung und manche wollen immer nur das Beste für sich selbst. Weiters lernt an, dass man erst in schweren Zeiten erfährt, welche Menschen wahre Freunde sind, wer immer zu einem hält. Außerdem wird nicht nur de Flüchtlingsthematik behandelt, sondern es ging auch um Probleme wie den Unterschied zwischen arm und reich, die teils sehr komplizierte Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern sowie zwischen den Geschwistern. Auch selbstverletzendes Verhalten und Hilflosigkeit werden in der Geschichte angesprochen und nicht kurz als unwichtig abgetan, sondern detailliert thematisiert.

Fazit

Eine schöne und gleichzeitig dramatische Liebesgeschichte von zwei Jugendlichen, die nur zusammen ganz sein können in einem Buch das zum Nachdenken anregt.

Von mir gibt es 5 von 5 Sternen und eine absolute Leseempfehlung!

Vielen Dank, Maya Shepherd, für das E-Book als Rezensionsexemplar!

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