Rezension (Rezensionsexemplar): “München” von Robert Harris

Titel: München

Autor: Robert Harris

Seitenanzahl: rund 430 Seiten (Hardcover)

ISBN: 978-3-453-27143-2

Muenchen von Robert Harris

Bildquelle: https://www.randomhouse.de/Buch/Muenchen/Robert-Harris/Heyne/e523408.rhd

Klappentext:

„September 1938 – in München treffen sich Hitler, Chamberlain, Mussolini und Daladier zu einer kurzfristig einberufenen Konferenz. Der Weltfrieden hängt am seidenen Faden. Im Gefolge des britischen Premierministers Chamberlain befindet sich Hugh Legat aus dem Außenministerium, der ihm als Privatsekretär zugeordnet ist. Auf der deutschen Seite gehört Paul von Hartmann aus dem Auswärtigen Amt in Berlin zum Kreis der Anwesenden. Den Zugang zur Delegation hat er sich erschlichen. Insgeheim ist er Mitglied einer Widerstandszelle gegen Hitler. Legat und von Hartmann verbindet eine Freundschaft, seit sie in Oxford gemeinsam studiert haben. Nun kreuzen sich ihre Wege wieder. Wie weit müssen sie gehen, wenn sie den drohenden Krieg verhindern wollen?

Der neue Politthriller von Robert Harris – ein Roman über Hochverrat und Unbestechlichkeit, über Loyalität und Vertrauensbruch. Und wie immer bei Robert Harris lassen sich über die historischen Figuren und Ereignisse erhellende Bezüge zur aktuellen Weltpolitik herstellen.“

Quelle: https://www.randomhouse.de

Meine Meinung:

„München“ war mein zweites Buch von Robert Harris. Mein erstes war „Pompeij“, welches ich im englischem Original im Zuge des Englischunterrichts in der Schule gelesen habe. Beide Bücher haben mir wirklich gut gefallen, obwohl das eigentlich gar nicht mein Genre ist, da ich sonst fast ausschließlich Bücher aus den Genres Fantasy und Romance lese. Harris schafft es aber, mich für Politthriller zu begeistern.

Der Schreibstil

Anfangs fand ich den Schreibstil etwas trocken, bis ich schließlich gemerkt habe, dass es anders gar nicht zur Geschichte passen würde. Die Hauptcharaktere arbeiten nun mal in politischen Positionen, da passt dieser sachliche und auch etwas veraltete, sprachliche Stil sehr gut. Immerhin spielt die Story im Jahr 1938. Hin und wieder waren dann aber auch wieder derbere Kommentare eingebaut, die eigentlich nicht so schlimm waren, der Kontrast zum sonst so förmlichen Ton stach aber stark hervor und betonte so besondere Sätze oder Gespräche.

Die Geschichte

In diesem Buch steht das Münchner Abkommen im Vordergrund. Europa ist im Begriff in einen Krieg zu rennen. Chamberlain auf der englischen Seite versucht dies so gut es geht zu verhindern. Ganz zum Missfallen von Hitler der die deutsche Komponente darstellt. Eine Geschichte die Wahrheit, Historie und Fiktion so gut vereint, dass ich irgendwann einfach nicht mehr wusste, was nun wirklich passiert ist und was Harris dazu erfunden hat. Harris hat hier mithilfe von zwei von ihm kreierten Protagonisten die englische und die deutsche Situation anschaulich dargestellt. Die ersten rund 100 Seiten waren etwas zu trocken für meinen Geschmack, sie waren aber meines Erachtens dazu da, um einen Überblick über die Situation, die Hintergründe und vor allem die Charaktere zu erhalten, denn in diesem Buch kommen sehr, sehr viele Namen vor, von denen mir einige, aber natürlich nicht alle, bekannt vorkamen. Denn auch hier trifft wieder zu, dass manche Personen wirklich gelebt haben und zu dieser Zeit in München waren und bei diesem Abkommen mitgewirkt haben, andere Charaktere sind aber einfach nur erfunden. Und damit kommen wir auch schon zu den Charakteren.

Die Charaktere

Harris hat es geschafft, dass die verschiedenen Personen, ihre Gedanken und ihr Handeln so gut beleuchtet wurden, dass man vieles verstehen, einiges aber auch einfach nur verachten konnte. Teils spielen hier sehr bekannte Namen wie Mussolini, Hitler und Chamberlain eine Rolle. Die Protagonisten waren aber Hugh Legat – auf der britischen Seite – und sein deutscher Studienkollege Paul von Hartmann. Harris hat diese beiden Männer so individuell und lebendig gestaltet, dass ich mir eigentlich sicher war, dass sie wirklich existierten und eine wichtige Rolle spielten. Bis ich bei einer Google-Suche nichts zu diesen Namen fand als Artikel zu diesem Buch. Mir persönlich war Legat etwas sympathischer, was denke ich daran lag, dass von Hartmann für mich bis zum Schluss sehr schwer zu durchschauen war und ich bei Legat mehr das Gefühl hatte, zu wissen, was ihn beschäftigt und auf welcher Seite er steht.

Legat der Familienvater, welche eine nicht sonderlich glückliche Ehe führt. Der junge Aufsteiger unter den Assistenten des britischen Premierministers Chamberlain.

Paul von Hartmann, ein deutscher Riese, welcher in Berlin im Auswärtigen Amt des Deutschen Reiches tätig ist. Alleinstehend.

Zwei Männer, die mehr verbindet als eine vergangene Studienfreundschaft: der Wunsch nach Frieden und somit das Verhindern eines Krieges. Eines Krieges angeführt von Hitler.

Allgemein

Für mich war dieses Buch gar nicht mal so spannend wie ich von einem PolitTHRILLER erwartet hätte, aber es hat mir trotzdem gut gefallen. Und das lag unter anderem auch an der emotionalen Komponente. Harris hat es geschafft, die Gräuel und die Hässlichkeit von Krieg zu schildern, ohne dass er direkt über einen Krieg geschrieben hat. Kinder, die Gasmasken angepasst bekommen, Menschen, deren Leben nie wieder normal sein wird da sie sich gegen das Regime aufgelehnt haben. Das Leben unter einer Regierung, die keinen Widerspruch duldet, die ihre Ohren überall zu haben scheint. Ein Mann, der wie ein Gott gefeiert wird. Und das alles eingebettet in eine düstere und teils verzweifelte Stimmung. Dieses Buch hat mich wirklich zum Überlegen und Hinterfragen von allen möglichen – natürlich auch politischen – Fragen angeregt.

Fazit

Ein Politthriller mit düsterer, fast erdrückender Stimmung, der spannende und ruhige Phasen beinhaltet und zum Nachdenken anregt. Nach einem etwas zu langatmigen Beginn hat mich dieses Buch wirklich in seinen Bann gezogen und ich habe mit Legat und von Hartmann mitgefiebert, denn immer blieb noch ein kleiner Funke Hoffnung, auch wenn wir alle wissen, dass es in der Weltgeschichte nun mal zu einem zweiten Weltkrieg gekommen ist. Und doch konnte Harris die Spannung vor allem gegen Schluss aufrecht erhalten.

Ich vergebe für „München“ von Robert Harris 4,5 von 5 möglichen Sternen und kann euch das Buch wirklich empfehlen!

Vielen Dank an den Heyne Verlag für dieses Rezensionsexemplar! Die Tatsache, dass ich dieses Buch als Rezensionsexemplar erhalten habe, hat meine Meinung darüber in keinster Weise beeinflusst.

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